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Murat Hofman Der Koran Islam

Murat Hofman Der Koran

DER KORAN ALS HEILIGE SCHRIFT

 

Gott ist der in Seinen Erscheinungen Unerschienene.(Martin Buber)

 

Mythen, Sagen, Orakel, Legenden, Weisheitssprüche, religiöse Hymnen und Beschwörungsformeln sind das Gedächtnis der Völker. Manches davon hat Schriftform angenommen. Und manche aus vorgeschichtlicher Zeit überlieferte Schriften genießen den Rang heiliger Bücher. Aus dem indischen Kulturkreis gehören dazu die Veden (»Wissen«), einschließlich ihres Kommentars (Schruti), die esoterischen Upanishaden, die 36 Bücher der Puranas (»Das Frühere«) sowie das Epos Mahabharata mit seinen 100 000 Doppelversen und dem religiösen Lehrgedicht Bhagavadgita. Sie mögen zwischen 1200 und 1000 v. Chr. entstanden sein. Die buddhistische Welt kennt ebenfalls heilige Schriften, darunter den in einem mittelindischen Dialekt verfassten Pali-Kanon mit drei lehrhaften »Körben« (Tripitaka), den (bruchstückhaften) Sanskrit-Kanon sowie Schriften wie Lalitavistara, Mahavastu, Saddharmapundarika und Prajnaparamita. Diese haben zwar alle im historischen Buddha einen historischen Bezugspunkt – Siddharta Gautama lebte von 560–480 v. Chr. –, aber keine eindeutigen Verfasser. Manche Schriften sind erst nach Christus aufgetaucht. Die jüdische Religion basiert auf der Bibel, der »Heiligen Schrift« par excellence. Die hebräische Bibel ist allerdings ein Sammelwerk von Schriften sehr verschiedenen Alters, aus unterschiedlichen Quellen und Überlieferungsströmen, über rund 1800 Jahre hinweg entstanden. In der Regel sind die Verfasser biblischer Bücher unbekannt, jedenfalls aber nicht mit den im Titel angege- 10 benen Namen identisch. Auch wenn man außer Acht lässt, dass die christlichen Kirchen das Alte Testament anders gliedern als die Juden und um 27 Schriften des Neuen Testaments ergänzten, kommt man zu dem Schluss, dass es Bücher recht unterschiedlichen Inhalts gibt, die sich sämtlich »Die Bibel« nennen; kein Wunder, dass es Katholiken bis 1965 verboten war, andere Versionen als die katholische zu lesen (»Bibelverbot«).

Für Christen ist neben dem Alten vor allem das Neue Testament (NT) Glaubensgrundlage. Dabei handelt es sich um 27 Schriften unterschiedlicher Autoren, zu unterschiedlicher Zeit – zwischen 50 und 130 nach Christus – entstanden: Auf diesen Kanon hatte die Kirche sich nach langem Aussonderungsprozess in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts geeinigt. Diese Schriften waren nicht in Jesu Sprache, dem Aramäischen, sondern auf Griechisch verfasst worden. Dem versucht die christliche Theologie durch Postulierung einer Redequelle »Q« abzuhelfen, einer als verschollen vermuteten Sammlung von Worten Jesu (Logia Jesu). Heute besteht unter christlichen Bibelforschern kein Zweifel daran, dass keines der vier Evangelien, keiner der Katholischen Briefe und auch die Apokalypse nicht von ihren angeblichen Verfassern stammen. Keiner der unbekannten Verfasser war ein Jünger Jesu. Die ältesten und einzigen voll authentischen Bestandteile des NT stammen allerdings ausschließlich von Paulus. Doch dieser hatte Jesus niemals gesprochen, ja niemals gesehen. Jetzt versteht man, dass es sich beim Koran um eine einzigartig authentische heilige Schrift, ein Buch sui generisohne Beispiel handelt.

• Der Koran ist im vollen Licht der Geschichte des 7. Jahrhunderts entstanden.

• Er ist sofort nach Entstehung schriftlich fixiert worden.

• Er hat nicht mehrere oder gar unbekannte Autoren, sondern wurde einem einzigen Menschen, Muhammad, übermittelt, dessen Lebensdaten vollständig bekannt sind.

• Er existiert in derjenigen Sprache, in der er vermittelt wurde: Arabisch.

• Nichts davon ist seither verloren gegangen.

 

 

DER KORAN ALS OFFENBARUNGSSCHRIFT

 

Wenn Schriften als »heilig« bezeichnet werden, ist damit meist übernatürliche Herkunft, fraglose Wahrheit und bindende Autorität gemeint. In diesem Sinne kann heute nur noch der Koran als »heilig« gelten. Denn der Islam ist die einzige Religionsgemeinschaft, die in ihrem Gründungsdokument weiterhin eine Verbaloffenbarung Gottes sieht: Satz für Satz und Wort für Wort Sein herabgekommenes Wort (kalam Allah), Seine unmittelbare, Sprache gewordene Mitteilung (tanzil). Alle übrigen als heilig erwähnten Schriften werden heute – außer von einer kleinen Minderheiten von jüdischen und christlichen Fundamentalisten – nicht mehr als unmittelbare, verbale Mitteilung Gottes betrachtet, sondern allenfalls als von Gott »inspirierte« oder nur als »weise« Schriften. Inspiration (ilham) unterscheidet sich jedoch radikal von Offenbarung. Ein inspirierter Mensch, wie der junge Albert Einstein, hat plötzliche richtige Einfälle, ohne ihre Herkunft zu kennen. Offenbarung hingegen, ob unmittelbar oder mittelbar, lässt Gott als Quelle erkennen. Die Anerkennung des Korans als Gottes Wort ist für den Muslim konstitutiv. Wer dies nicht glaubt, ist kein Muslim. Muslime als »Fundamentalisten« zu bezeichnen, weil sie als »Islamisten« politisch aktiv sind, ist daher irreführend. Denn wenn unter Fundamentalismus nach ursprünglicher Definition Schriftgläubigkeit verstanden wird, sind alle wahren Muslime notwendig Fundamentalisten.

 

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